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SoVD: Telefonische Krankschreibung beibehalten

Die telefonische Krankschreibung bietet Vorteile und ist nicht die Ursache des hohen Krankenstands im Land, betont der Verband.

Frau sitzt in einer Decke eingewickelt auf der Couch und hält ein Taschentuch vor der Nase. Sie telefoniert.
Bei einer Erkältung kann es sinnvoll sein, sie zu Hause auszukurieren, statt sich in ein volles Wartezimmer zu setzen. Foto: deniskomarov / Adobe Stock

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) spricht sich dafür aus, die telefonische Krankschreibung dauerhaft beizubehalten. Sie entlaste sowohl Patientinnen und Patienten als auch Arztpraxen und sei nicht für den hohen Krankenstand in Deutschland verantwortlich.

Nur ein kleiner Anteil der Krankschreibungen erfolgt telefonisch

Der Anteil der telefonisch ausgestellten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen liegt unter einem Prozent. Trotzdem wird die Regelung in der öffentlichen Debatte teilweise kritisch bewertet – etwa als Ausdruck mangelnder Arbeitsbereitschaft. Der SoVD hält diese Einschätzung für nicht gerechtfertigt.

Dauerhafte Regelung seit Ende 2023

Die telefonische Krankschreibung wurde während der Corona-Pandemie eingeführt und Ende 2023 durch einen Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) dauerhaft in die Arbeitsunfähigkeitsrichtlinie aufgenommen. Sie ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft:

  • Der Patient oder die Patientin müssen der Praxis bekannt sein.
  • Es muss sich um eine leichte und kurzfristige Erkrankung handeln (z. B. eine Erkältung).
  • Die Krankschreibung darf maximal fünf Tage betragen.

Nutzen wird von Verbänden betont

Während einige Arbeitgeberverbände und Teile der Politik die Regelung kritisch sehen, betonen Hausarztverbände und Gewerkschaften den praktischen Nutzen. Auch Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat eine Überprüfung der telefonischen Krankschreibung angekündigt.

SoVD: Fokus auf Arbeitsbedingungen statt auf Schuldzuweisungen

Der SoVD sieht den hohen Krankenstand eher als Hinweis auf strukturelle Belastungen im Arbeitsalltag. „Die Arbeitsbelastung ist an vielen Stellen weiter gestiegen“, so SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. „Hinzu kommt der Fachkräftemangel, wodurch Arbeit auf immer weniger Schultern verteilt wird. Beides wirkt sich langfristig auf die Gesundheit der Beschäftigten aus.“

Der Verband fordert, den Blick stärker darauf zu richten, ein langes und gesundes Arbeitsleben zu ermöglichen – statt Krankmeldungen pauschal zu hinterfragen. Das würde auch die Produktivität nachhaltig stärken.