Wohnen wird für immer mehr Menschen zur finanziellen Belastung. Nicht zuletzt die Wahlergebnisse in Berlin zeigen, dass bei diesem Thema großer Unmut in der Gesellschaft herrscht. Eine Umfrage im Auftrag des SoVD beziffert, wie sehr die Menschen unter hohen Wohnkosten leiden und welche konkreten Auswirkungen das auf ihren Lebensweg hat. Demnach müssen sich 53 Prozent der befragten Mieter*innen in anderen Lebensbereichen Abstriche machen, um ihre Kosten der Unterkunft bezahlen zu können. 18 Prozent berichten sogar von sehr starken Einschränkungen.
Alle Ergebnisse sind auch grafisch aufbereitet auf der SoVD-Themenseite www.sovd.de/civey-umfrage zu finden.
Hohe Wohnkosten mitweitreichenden Folgen
Besonders deutlich zeigt sich die Belastung bei jungen Menschen. Von den 18- bis 29-jährigen Mieter*innen müssen sich mehr als zwei Drittel stark einschränken, bei den 30- bis 39-Jährigen sind es 60 Prozent. Mit zunehmendem Alter sinkt dieser Anteil, liegt bei den über 65-Jährigen aber immer noch bei 40 Prozent.
Für die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier sind die Ergebnisse alarmierend: „Wenn sich mehr als die Hälfte der Mieterinnen und Mieter stark einschränken muss, nur um Miete und Nebenkosten bezahlen zu können, läuft bei der Bezahlbarkeit des Wohnens etwas grundlegend schief.“
Die Umfrage zeigt auch, dass hohe Wohnkosten nicht nur den finanziellen Spielraum einschränken, sondern tief in die persönliche Lebensplanung eingreifen. Fast die Hälfte der Befragten hat konkrete Pläne verändert oder aufgegeben. 27 Prozent mussten ihre Wohnungswahl anpassen, fast jede*r Fünfte die Wahl des Wohnortes. Zehn Prozent haben sogar ihre Familienplanung geändert.
Junge Menschen in ihren Möglichkeiten eingeschränkt
Stark betroffen sind jüngere Menschen: Von den 18- bis 29-Jährigen haben 40 Prozent ihre Wohnungswahl und 30 Prozent ihre Wohnortwahl wegen hoher Kosten verändert. Jede fünfte Person dieser Altersgruppe musste Pläne für den Auszug aus dem Elternhaus aufgeben oder ändern. Bei den 30- bis 39-Jährigen hat fast ein Viertel ihre Entscheidung über Nachwuchs angepasst.
„Wohnen ist damit längst nicht mehr nur eine Frage der Bezahlbarkeit, sondern auch der sozialen Sicherheit und der Freiheit, das eigene Leben planen zu können“, betont Engelmeier.
Auffällig sind zudem Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Unter den Befragten mit Kindern im Haushalt geben gut ein Viertel der Frauen an, ihre weitere Familienplanung wegen hoher Wohnkosten verändert zu haben. Bei Männern mit Kindern sind es 13 Prozent.
Teure Mieten auch außerhalb der Großstädte
Fast die Hälfte der befragten Mieter*innen empfindet ihre aktuelle Miete im Verhältnis zur Wohnung als zu hoch. Bei den unter 40-Jährigen sind es sogar 59 Prozent. Nur fünf Prozent halten ihre Miete für zu niedrig.
Dabei sind hohe Wohnkosten keineswegs nur ein Problem der Ballungsräume. In Regionen mit sehr niedriger Bevölkerungsdichte müssen sich 68 Prozent der Mietenden finanziell stark einschränken, um ihre Wohnkosten bezahlen zu können. In sehr dicht besiedelten Gebieten sind es 48 Prozent.
Auch der Blick in die Zukunft fällt pessimistisch aus: 61 Prozent der befragten Mieter*innen sind nicht zuversichtlich, dass Mieten und Wohnkosten künftig allgemein bezahlbarer werden. Lediglich 19 Prozent rechnen mit einer Verbesserung.
SoVD fordert mehr bezahlbaren Wohnraum
Angesichts dieser Ergebnisse fordert der SoVD einen wirksameren Schutz vor steigenden Mieten und deutlich mehr Investitionen in den sozialen und gemeinnützigen Wohnungsbau. Dauerhaft bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum müsse stärker gefördert werden.
Zugleich kritisiert der Verband die geplanten Einsparungen beim Wohngeld. Dieses sei für viele Haushalte unverzichtbar, dürfe aber nicht dauerhaft immer weiter steigende Mieten ausgleichen müssen.
Engelmeier fordert deshalb ein Zusammenspiel aus Mieterschutz, Wohnungsbau und gezielter finanzieller Unterstützung: „Wir brauchen beides: einen wirksamen Schutz vor überhöhten Mieten und ein starkes Wohngeld für diejenigen, die darauf angewiesen sind.“
Die SoVD-Umfrage wurde in überregionalen Medien veröffentlicht und zog weitere Berichterstattung nach sich.
